Vom 21. bis 22.März fand in Berlin das nationale DRG-Forum statt. Mit mehr als 150 Referenten, 60 Ausstellern und 1.513 Teilnehmern ist das DRG-Forum wichtigster Kongress für das Krankenhausmanagement und als Diskussionsplattform zur Weiter-Entwicklung der DRGs in Deutschland.

Das DRG-Forum wird von dem Bibliomed-Verlag und der B. Braun-Stiftung organisiert. Ein wesentliches Merkmal des DRG-Forums waren die 25 Workshops zu spezifischen DRG-Themen, mit Beiträgen ausgewiesener Experten.

Erfreulicherweise haben sich die Anzahl der Workshops in den letzten Jahren kontinuierlich vervielfacht, und die Reden der Funktionsträger aus den Fachverbänden wurden zeitlich komprimiert. Die Eröffnungsrede hat der EU-Kommissar für Haushalt und Personal Günther Öttinger gehalten. Herr Öttinger hat sich in seiner Rede leider zu wenig über Gesundheit- und DRG-spezifischen Themen in Deutschland geäußert und eher ein flammendes Plädoyer für die EU gehalten. Die wirtschaftlichen, politischen und militärischen Schwerpunkte der Welt würden sich in andere Regionen - wie USA, China, Süd-Korea – verlagern, und einzelne EU-Länder könnten in diesem harten Konkurrenzkampf (auch der Systeme) alleine ohne EU herzlich wenig erreichen.

Drei Themen haben sich wie ein roter Faden durch die Reden und Workshops durchgezogen, auf die ich mich In Folgendem konzentrieren möchte.

Trennung der Pflege von den DRGs

Die Politik hat beschlossen, Pflegekosten im Krankenhaus ab 2020 aus den DRGs herauszulösen. Die Krankenhäuser hätten in der Vergangenheit, die für die Pflege gedachten Gelder in anderweitige Felder investiert, und das Pflegepersonal immer weiter abgebaut, so dass sich in den Kliniken einen „Pflegenotstand immer mehr abzeichnen würde. Dem wolle man entgegentreten. Zwar sind viele Experten der Meinung, dass die Pflegekosten innerhalb kürzester Zeit von den DRGs zu trennen, und eine Art „Pflegetagessatz“ wie früher einzuführen, sehr problematisch, und eine Rolle rückwärts sei. Trotzdem stehen die Termine fest, und alle Akteure im Gesundheitswesen, vor allem INEK, müssen wohl oder übel die Vereinbarungen in die Praxis umsetzen. Grobe Kernpunkte sind:

-Etwa 20% Pflegekosten sind in den DRGs enthalten. INEK wird diesen Teil spefizisch in einzelnen DRGs berechnen, da z.B. chirurgische DRGs in der Regel weniger Pflegekosten enthalten, als die internistischen und geriatrischen.

-Ein Pflegeerlöskatalog mit Bewertungsfallwerten (BFW) soll erstellt werden. Tagespflegesatz soll Krankenhausindividuell aus dem aktuellen IST-Krankenhaus-Budget nach Trennung der DRG-Kosten berechnet werden. INEK wird versuchen, zumindest zu Beginn, nur absolut notwendige Änderungen vorzunehmen. Für jede DRG wird es einen von dem effektiven Relativgewicht dieser DRG abgetrennten Bewertungsfallwert für die Pflege geben. Der Pflegerlös soll durch Multiplikation dieser Pflege-Bewertungsrelation mit dem Krankenhausindividuellen Tagespflegesatz ermittelt werden. In der Praxis sollen die DRG-Kosten und Pflege-Kosten innerhalb einer DRG-Gruppe zumindest in der Anfangsphase im Grouper getrennt dargestellt werden.

-Die CM-Punkte und Relativgewichte sollen sich in ihrer Gesamtheit zumindest 2020 nicht ändern, nur deren Verhältnis untereinander nach Splitting von DRG und Pflege soll sich ändern.

-Gelder für PKMS und weitere Pflege-OPS sollen in den Pflegekosten eingegliedert werden, so dass die einzelnen Kodierungen, Dokumentationen und MDK-Prüfungen für die Pflege-OPS nicht mehr stattfinden sollen. Die Kassen halten jedoch dagegen, dass auch ein Teil der PKMS weiterhin im DRG-Bereich abgerechnet werden sollte, da auch andere Berufsgruppen bei PKMS involviert seien; Dies würde natürlich das Tor für die MDK-Prüfungen öffnen.

-Krankenhäuser sollen ohne jegliche Kontrolle so viel Pflegekräfte wie notwendig einstellen, und diese nach Tarif zahlen. Die Kosten dafür müssen von den Kassen 1:1 übernommen werden. Kassen hätten keine rechtliche Grundlage dagegen vorzugehen.

Abrechnungsprüfung - MDK

Bekanntlich verlieren die Krankenhäuser etwa. 3% ihres Budgets nach MDK-Prüfungen. Und Vorbereitung und Bearbeitung der MDK-Fälle kosten einem Krankenhaus enormen Aufwand.

Seit Jahren werden immer wieder Vorschläge gemacht, wie man den MDK-Aufwand für die Krankenhäuser und Kassen reduzieren könnte. Auch dieses Jahr wurden Vorschläge diskutiert: Jährliche standardisierte Strukturprüfungen oder Stichprobenprüfungen der Krankenhäuser sollen die üblichen Abrechnungsprüfungen der MDK ersetzen. Je nach Ergebnis sollte dann das Budget der betroffenen Krankenhäuser dementsprechend reduziert werden.

Bisher ist jedoch wenig Konkretes in Sicht. Auch das leidige Thema der Qualitätsindikatoren als Kontroll-Instrumente der Kassen und MDKs als Kontrolleure der Qualität werden immer wieder diskutiert, ohne dass hier ersichtliche Fortschritte erzielt werden.

Digitalisierung

Die Krankenhäuser müssen vom Jahr zu Jahr immer mehr Verwaltungsaufgaben bewältigen: Von DRG, MDK-Management, Entlassmanagement, Hygiene-Vorschriften bis ambulante Notfallversorgung und neue Anforderungen im Bereich der Pflege (doppelte Abrechnung nach Trennung der Pflege von den DRGs, Berechnung und Erfüllung der geforderten Mindestbesetzungen der Stationen usw.). Ohne Digitalisierung und Optimierung der einzelnen Abläufe werden die Kliniken es kaum schaffen, diesen Aufgaben gerecht zu werden. Bei den Diskussionen wurde jedoch relativ deutlich, dass die Krankenhäuser diesbezüglich, auch wegen des Fehlens der Investitionsfinanzierung seitens der Länder, unzureichend aufgestellt sind. Die Arbeitsabläufe und Prozesse sind bisher durch IT nicht hinreichend unterstützt.

Digitalisierung und Modernisierung der Strukturen bieten jedoch große Chancen, das Krankenhaus-Personal von überbordenden bürokratischen Aufgaben zu entlasten. Auffällig war, dass dementsprechend viele IT-Firmen im DRG-Forum als Aussteller anwesend waren.

Organisation des DRG-Forums

Pluspunkte der Veranstaltung waren:
-Die zahlreichen Workshops mit hervorragenden Experten, suchen
seinesgleichen in Deutschland.
-Zusammenkommen der Teilnehmer aus allen Bereichen: Ärzte,
Medizincontroller, Krankenhaus-Verwaltungsdirektoren,
Krankenkassen-Vertreter, MDKs, INEK-Mitarbeiter, Pflege, Firmen-Vertreter.
So hatten alle die Möglichkeit sich in Workshops und Pausen kennenzulernen
und auszutauschen, was sie auch intensiv getan haben.
- Hervorragende Organisation, perfekte technische Umsetzung. Teilnehmer
wurden vom Organisationsteam von Bibilomed bei jeglichen Fragen sehr gut
betreut.
-Vorhalle mit Ständen von Firmen, die ihre Produkte, von E-Patientenakte, digitaler
Archivierung bis Personalmanagement und Kodierungs-Software, vorstellten und die Teilnehmer berieten.

Anmerkung: Es waren viele sehr interessante Workshops. Man konnte jedoch aus zeitlichen Gründen maximal 3 Workshops von 25 angebotenen Workshops in 2 Tagen besuchen, da die Workshops vorwiegend parallel liefen. Ein möglicher Weg könnte sein, dass vormittags in der großen Runde die Referenten (oder ein Referent) die jeweiligen Themen ihres Workshops in Stichworten kurz vorstellen. Die Teilnehmer könnten somit die Haupt-Botschaften der jeweiligen Workshops mitnehmen, und besser entscheiden, welche Workshops für sie interessant sind.

Insgesamt eine sehr empfehlenswerte Veranstaltung, die sich 2020 wieder im Estrel Hotel in Berlin wiederholen wird.  Fevzi Koc

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