Bekanntlich haben die Ärzte immer weniger Zeit, für die Patienten, für die Familie, für die Hobbies.  Gleichzeitig  nimmt das medizinische Wissen exponentiell zu.  Es werden tausende von Studien jährlich publiziert. Folglich ist es für Mediziner recht schwierig, die aktuelle Studienlage  und Wissensstand für ihre Fachbereiche zeitnah zu verfolgen, und zu bewerten.

Der Seminar Internisten-Update, welchen ich am 09.-10.11.2018 in Hamburg besucht habe, hatte genau dieses Ziel, Ärzten  wichtige Neuigkeiten aus verschiedenen internistische n Fachrichtungen kompakt und praxisnah vorzustellen.

Die Organisation und Qualtität des Seminars war hervorragend. Referenten, alle angesehene Experten in ihren Fachgebieten, stellten in zwei Tagen hochaktuelle Studien aus 14 Themen der Inneren Medizin - von Infektiologie bis Onkologie - mit Bewertung für die alltägliche Praxis vor. Am Ende des jeweiligen Vortrages präsentierten sie eine kurze Zusammenfassung als „Take-Home-Message“ für Klinik und Praxis, und es wurden die Fragen aus dem Publikum beantwortet. Auch in den Pausen oder „Speaker‘s Corners“ konnten die Teilnehmer die Referenten direkt ansprechen.

Der Inhalt der Vorträge wurde als gedrucktes Handbuch oder als e-book an die Teilnehmer verteilt. Das Niveau der Präsentationen war insgesamt hoch. Im Folgenden werde ich aus einzelnen Vorträgen exemplarisch ein paar interessante Aspekte ansprechen.

Angiologie, H. Reinecke, Münster

-Clodigoprel plus ASS, oder ASS alleine nach leichtem Schlaganfall oder TIA, die nicht auf Vorhofflimmern oder eine hochgradige Carotisstenose zurückzuführen waren: Duale anti-thrombotischen Therapie mit Clodigoprel plus ASS in den ersten 30 Tagen hoch effektiv. Nach 30 Tagen auf einfache Plättcheninhibition mit ASS umstellen.

-Varizenerkrankung und das Risiko für venöse Thromboembolien: Deutlicher Zusammenhang zwischen einer Varizenerkrankung und einer Thromboembolie.

-Kompressionstrumpfung nach Beinvenenthrombose: Individualisiertes Tragen der Kompressionstrümpfe möglich und effektiv. Kompressionstrümpfe bis zur Kniekehle auch bei Oberschenkel- und Becken-Thrombosen inzwischen Standard.

Diabetologie, A. Hamann

-Sorge vor dem Einsatz von Metformin (aufgrund des Ketoazidose-Risikos) bei gering eingeschränkter Nierenfunktion unberechtigt. Die geforderte Dosis-Anpassung unbedingt berücksichtigen. Das Ketoazidose-Risiko steigt bei einer eGFR < 30 signifikant an, daher diese als Grenze für den Metformin-Einsatz beachten.

-Sulfonylharnstoffe erhöhen möglicherweise das kardiovaskuläre Risiko.

-Kein Effekt von Acarbose auf kardiovaskuläre Endpunkte.

Endokrinologie, D. Führer

-TSH-Bereich beim Screening: Ein großzügiges Zuwarten ist angezeigt, solange die TSH-Konzentrationen von 0.2 bis 6mU/l liegen.

-TSH-Konzentration zwischen 0.34 bis 12mU/l haben keinen nennenswerten Einfluss auf Lebensqualität, Stimmungslage, Kognition oder Körpergewicht

-Knotenwachstum bei initial benign eingestuften Schilddrüsen-Knoten: Bei einem über 1-2 Jahre festgestellten progredienten Wachstum ( >2-5mm) eine Feinnadelpunktion des Knotens erwägen.

Gastroenterologie, P. Layer

-PPI: Bei indikationsgerechter PPI-Verordnung überwiegt der klinische Nutzen mögliche Risiken.

-H. Pylori-Therapie: Die Bismut-Quadrupeltherapie ist eine favorisierte Erstlinientherapie

-Milde akute Pankreatitis: Eine frühe Ernährung empfehlenswert.

Kardiologie-II, G. Klein

-Patienten mit einer Herzinsuffienz im Sinusrythmus und einer EF zwischen 40-49% profitierten vom Betablocker bzgl. Morbidität und Mortalität. Patienten mit einer EF > 50% tun dies nicht und Patienten im Vorhofflimmern zeigen ebenfalls keinen Überlebensvorteil unabhängig von der EF.

-Sacubitril/Valsartan bei Herzinsuffienz: Die Praxis, bei der Patienten erst nach Erreichen der ACE-Hemmer-Zieldosen auf Sacubitril/Valsartan umgestellt werden, führt dazu, dass nur ca. 18-21% der Patienten mit einer HFrEF (Herzinsuffienz mit einer reduzierten EF <40%) für diese neue erfolgversprechende Therapie infrage kommen.

-Eisentherapie: Bei Patienten mit einer Herzinsuffienz NYHA II/III und EF < 45% sollte nach Eisenmangel gescreent werden, und dieser falls vorhanden durch Eisencarboxymaltose iv. ausgeglichen werden.

Der Seminar Internisten-Update als offizielle Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) wird sich auch 2019 in verschiedenen Städten wiederholen.

Fevzi Koc

 

LINKS

Internisten-Update Hamburg 2018

http://internisten-update.com/

 

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