Okt. 2016 hatten eine Studie (1) in "JAMA Surgery" vorgestellt, die die Fragestellung untersuchte, ob die Patienten mit isoliertem tiefen Venenthrombose in der Wade therapeutisch antikoagualiert werden müssen, und ob die Antikoagulation die proximale Ausdehnung der Thrombose oder das Auftreten der Lungenembolien reduziert. Inzwischen ist eine Studie (2) zum Thema in "Lancet Haematology" erschienen, die wir nach der ersten Studie in Kurzform vorstellen.

1-Studie in "JAMA Surgery"

In dieser Studie waren 384 Patienten an Davis Medical Center/Kalifornien involviert, bei denen mit Duplex-Sonographie eine isolierte Thrombose in der Wade diagnostiziert wurde.

243 Patienten erhielten eine therapeutische Antikoagulation, und 141 keine (Kontrollgruppe).

Therapeutische Antikoagulation reduzierte das Risiko für proximale Thrombosen oder Lungenembolie in den nächsten 6 Monaten (OR 0.34), war aber mit einem erhöhten Risiko für Blutungen assoziiert (OR 4.35). Die Ergebnisse blieben auch nach Anpassung der Multivariablen (wie vorhandene Thrombose-Risiken) ähnlich.

Therapeutische Antikoagulation schützte vor allem bei Patienten mit betroffenen Muskelvenen und weniger bei Tibialis- oder Peroneus-Venen.

2-Studie in "Lancet Haematology"

Die Studie mit 259 Erwachsenen, bei denen  zum ersten Mal eine isolierte tiefe symptomatische Venenthrombose in der Wade per Ultraschall (US) diagnostiziert wurde, wurden entweder für Niedrigmolekulares Heparin oder Placebo für 6 Wochen randomisiert, und 90 Tage lang beobachtet. Alle erhielten Kompressionstrümpfe.

Die Ergebnisse ergaben, dass bei diesen Patienten eine initiale Antikoagulation nicht notwendig ist, wenn eine zweite US-Untersuchung innerhalb der ersten Woche keine proximale Thrombose-Progression zeigt. Die Therapie mit dem niedrigmolekularen Heparin Nadroparin war nicht effektiver als Plazebo, war jedoch mit einem erhöhten Blutungsrisiko assoziiert (4% vs. 0% in der Placebo-Gruppe).

Medknowledge-Anmerkung: Also, Therapeutische Antikoagulation (von Marcumar bis NOAK und Heparine) reduziert zwar deutlich die proximale Ausbreitung und Lungenembolien, erhöht aber eindeutig das Blutungsrisiko. Viele Patienten haben oft nur eine isolierte Peroneus-Venenthrombose, bei denen scheint auch eine abwartende Haltung ohne therapeutische Antikoagulation mit üblichen Massnahmen (Kompressionstrümpfe, Mobilisierung) bei ansonsten stabilen Verhältnissen auch eine Therapieoption zu sein. Diese Vorgehensweise könnte sich möglicherweise zur Standard-Therapie entwickeln.

1-Utter et al. Therapeutic anticoagulation for isolated calf deep vein thrombosis. JAMA Surg. 2016 Jul 20:e161770

2-Righini et al.  Anticoagulant therapy for symptomatic calf deep vein thrombosis (CACTUS): A randomised, double-blind, placebo-controlled trial.  Lancet Haematol. 2016 Dec;3(12):e556-e562

 

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