Ipilimumab zur Rezidivtherapie nach allogener Strammzelltransplantation bei Leukämien , 2016

Frei#  Aktuelle NEJM-Studie: Ein Rückgang der spendervermittelten Antitumoraktivität nach allogener Stammzelltransplantation (HSCT) begünstigt das Rezidiv hämatologischer Neoplasien. (wie Leukämien, Lymphome, Myelodysplastisches Syndrom, Plasmozytom). Einer der Checkpoints im Immunsystem ist der Rezeptor CTLA-4 (cytotoxic T-lymphocyte-associated protein 4); dieser lässt sich durch das Immuntherapeutikum Ipilimumab, ein auch als Checkpoint-Inhibitor bekannter monoklonaler Antikörper, blockieren. Die Studie untersuchte deshalb, ob sich mittels Ipilimumab eine anti-tumorale T-Zell-Aktivität durch Wiederherstellung des Graft-versus-Tumor-Effektes erreichen lässt.

Hierzu wurde eine multizentrische, Investigator-initiierte-Phase I/Ib-Studie durchgeführt, die Sicherheit und Wirksamkeit von Ipilimumab bei Patienten mit Rezidiv einer hämatologischen Erkrankung nach allogener HSCT untersuchte. Die Patienten erhielten als Induktionstherapie Ipilimumab in einer Dosierung von entweder 3 oder 10 mg pro Kilogramm Körpergewicht, alle 3 Wochen und insgesamt 4 Dosierungen. Patienten mit klinischem Nutzen erhielten anschließend bis zu 60 Wochen lang alle 12 Wochen eine weitere Dosis.

Insgesamt wurden 28 Patienten in die Studie eingeschlossen. Nebenwirkungen aufgrund von Immunreaktionen, einschließlich eines Todesfalls, traten bei 6 Patienten (21%) auf; Graft-versus-host-disease (GVHD), die eine weitere Ipilimumab-Gabe ausschloss, wurde bei 4 Patienten (14%) festgestellt.

Keine Ansprechen im Sinne der formal gegebenen Kriterien zeigte sich bei Patienten mit einer Dosierung von 3 mg pro Kilogramm Körpergewicht. Von den 22 Patienten mit einer Dosierung von 10 mg pro Kilogramm erreichten 5 Patienten (23%) die komplette Remission, 2 Patienten (9%) die partielle Remission und 6 Patienten (27%) einen Rückgang der Tumorlast.

Eine komplette Remission fand sich bei 4 Patienten mit extramedullären Manifestationen einer myeloischen Leukämie und bei 1 Patienten mit myelodysplastischem Syndrom mit Transformation zur akuten myeloischen Leukämie. Vier Patienten zeigten eine dauerhafte Remission für mehr als 1 Jahr. Im Rahmen der Remissionen fanden sich in-situ-Infiltrationen mit cytotoxischen CD8+-T-Zellen, eine verringerte Aktivität regulatorischer T-Zellen und die Expansion von Subpopulationen der Effektor-T-Zellen im Blut.

FAZIT: Bei Patienten mit Rezidiv einer hämatologischen Neoplasie nach allogener Stammzelltransplantation (HSCT) ist laut den Daten der Studie in der Frühphase eine Ipilimumab-Gabe machbar und effektiv, auch wenn immunvermittelte Toxizität und Graft-versus-host-disease (GVHD) auftraten. Andauernde Remissionen zeigten sich bei verschiedenen histologischen Subtypen von Neoplasien, einschließlich extramedullären Manifestationen einer akuten myeloischen Leukämie.

Davids et al. Ipilimumab for patients with relapse after allogeneic transplantation. N Engl J Med 2016 Jul 14; 375:143

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